Donnerstag, 1. April 2010

Wo sind die Gefühle hin?

Als es gestern um 17.02 Uhr im Seminarraum der JVA endlich losgehen konnte, war nur ein Häftling anwesend. Auf meine Frage, wo denn die anderen seien, antwortete er, dass er das nicht so genau wüsste. Man sieht sich zwar hier und da, sofern man im gleichen Bereich einsitzt aber man spricht nicht soviel miteinander. O-Ton:
"Hier sucht man sich nicht gerade seine Freunde fürs Leben."

Aber dann kamen noch vier Weitere und wir sind gleich in eine geführte Atemübung eingestiegen.
Dem 'Energiekreis - Atem'.
Im Stehen, mit einem möglichst geraden Rücken, wird in der Vorstellung beim tiefen Einatmen der Atem vom tiefsten Punkt des Rumpfes, dem Wurzelchakra aus, geholt. Er fliesst dann weiter über den Rücken nach oben, bis über den Kopf, zum Scheitel wo dann das Ausatmen beginnt. Dann fliesst der Atem an der Vorderseite abwärts bis zum Wurzelchakra, wo das erneute Einatmen beginnt usw. Der Atem bildet so einen Kreis über und durch den ganzen Oberkörper. Mit zunehmender Zeit kann man gut die Energie, ein Strömen und das Vibrieren des Körpers spüren.
Nachdem 30 Minuten vergangen waren wurde sich wieder hingesetzt und nachgespürt. Beim anschliessenden Austausch über die Erfahrungen zeigte es sich wieder, dass Gefühle noch nicht wahrgenommen werden können. Der Austausch beschränkte sich auf kribbelnde Füsse und ein sich angenehm und wohl fühlen . . . Auf die Frage, was für ein Gefühl damit verbunden sei wurden Gedanken und Körperempfindungen benannt.

Wir werden an dem zentralen Thema Gefühle dran bleiben, da sie uns in die Tiefe zu den grundlegenden Gefühlen wie Angst, Schmerz und Freude führen können und damit in Richtung des bodenlosen Grundes.

Im Nachgang zu der Atemübung wurden die 7 Chakren besprochen und die energetisierende Wirkung des 'Energiekreis - Atem', da der Atem auf seinem Weg alle 7 Chakren stimuliert.

Die Häftlinge berichteten, dass sie in der zurückliegenden Woche weiter in den Büchern von Christian Meyer gelesen haben.
Einer hat sich in seiner Zelle ein Blatt Papier aufgehängt mit den Fragen:
* Was will ich?
* Was fühle ich?
* Wer bin ich?

Dieses 'Wer bin ich' lässt ihn seit dem nicht mehr los. Und er stellt sich diese Frage zunehmend den ganzen Tag über, bei jeder Handlung.

Nach der abschliessenden Trance, die zurückführte zu einem Zeitpunkt, wo der Frieden und die Liebe zum letzenmal deutlich erfahren wurden und wo Elemente der Bewusstheits-Übung einflossen, konnte einer der Teilnehmer berichten, dass er als 'Geschenk' in der Tiefe ein helles Leuchten wahrnehmen und sich als 'Zitronenfalter' erfahren konnte . . .
Ganz vertrauensvoll konnte er das sagen. Da war kein Gelächter oder Witzeleien der anderen. Auch sie hatten wohl Erfahrungen gemacht, die sie schweigend mit in ihre Zelle nahmen.

Rainer

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