Donnerstag, 6. Mai 2010

Der Körper ist ein wertvolles Tor zur inneren Freiheit

Das hat man auch nicht alle Tage, dass man von dem Chefredakteur einer Zeitung interviewt wird.

Gestern war das der Fall. Thilo und ich standen dem Chefredakteur der 'UZ' unsere Zeitung, der Gefängniszeitung der JVA Brandenburg, Rede und Antwort.
Da unser Gesprächspartner selbst in seinem Leben umfangreiche Achtsamkeitserfahrungen gemacht hat war es um so leichter über die 'Innere Freiheit' das Aufwachen zu sprechen.

Ergebnis;
was für ihn wie eine kleine graue Maus ausgesehen hatte entpuppte sich im Laufe des Interviews zu einem mächtigen Elefanten. Wir waren ihm nämlich als 2 Meditationstypen mit guruhaften Ansichten angekündigt worden. Die Ernsthaftigkeit spiritueller Arbeit, mit praktischen Werkzeugen für die Persönlichkeitsentwicklung der Häftlinge, hat dem Ganzen dann doch ein anderes Gewicht gegeben. Dies vor dem Hintergrund unserer Arbeit mit unserem spirituellen Lehrer Christian Meyer und in der Tradition von Ramana Maharshi.

Und dann ging es wie jeden Mittwoch um 17.00 Uhr wieder an die Arbeit mit den Häftlingen. Es waren vier anwesend, wobei uns vermittelt wurde, dass 2 Neue dazukommen werden. Vielleicht schon jetzt zum 7. - 9.5., dem ersten Projektwochenende in der JVA.

Nach der Körpertrance durch mich übernahm Thilo und liess die Teilnehmer aufstehen. Sie sollten für sich einen guten Platz im Raum finden und den Körper die Bewegungen machen lassen, die er von selbst machen möchte. Ganz ohne Beurteilung und ohne eigenes Wollen. Das ging erstaunlich gut bei den Männern und die Körper kamen in mehr oder weniger Schwingung. Dabei kann es hilfreich sein, den Körper zu Anfang ein wenig 'anzustossen' Vielleicht so wie bei einer Schaukel. Dann aber ist es wichtig nichts mehr zu tun sondern den Körper alleine machen zu lassen. Bei einem Teilnehmer kam erst deutlicher etwas in Bewegung, nachdem er sich aufgrund meiner Unterstützung von der Wand losgelöst hatte, an der er bis dahin Schutz und Halt gesucht hatte.
So in Schwingung kann der Körper ganz weich werden. Ganz durchlässig und Gefühle oder Erfahrungen können auftauchen.

Nach dem anschliessenden Erfahrungsaustausch haben uns die Häftlinge ihren jeweiligen ausgefüllten Fragebogen übergeben, bzw. werden das noch tun. Entweder anonym oder mit Namen versehen.
Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt eingeleitet, nämlich eine wissenschaftliche Begleitung. Dipl. Psych. Janine Girzig wird die Bögen auswerten und die Befragung im Verlaufe des Projektes wiederholen, um Veränderungen feststellen zu können.
Auf die Ergebnisse sind wir alle sehr gespannt.

Und dann haben Sie uns die Kopien der ersten Blogs gezeigt, die wir Herrn Feelgood zur Weiterleitung an die Häftlinge übergeben hatten. Jetzt kennen auch die Freunde und Angehörigen die Website des gemeinnützigen Vereins 'Bewusst Sein e. V.' und damit die Projektkonzeption und den Blog.
Herzlich willkommen beim lesen : - ))

Den Rest der gemeinsamen Arbeit haben wir dann im Wesentlichen mit dem Thema Gefühle verbracht.
Gefühle in der genauen Abgrenzung zu Gedanken, Körperempfindungen und Erfahrungen.
Und danach ist eben "böse" kein Gefühl sondern eine gedankliche Bewertung!
Für die Arbeit ist es von grosser Bedeutung, die Gefühle wahrnehmen zu können und zu benennen. Sie sind das wichtigste Vehikel um in die Tiefe zu den Erfahrungen und der 'Inneren Freiheit' zu kommen.

Am Ende haben wir noch über die Organisation und die Schwerpunkte [Körperarbeit] des kommenden Wochenendes gesprochen.

Und wir freuen uns, wenn wir und auch das Filmteam, das wieder einmal dabei sein wird, am Samstag ein warmes Mittagessen bekommen werden. Für reichlich Tee ist auf jeden Fall gesorgt.

Einen guten Abend
Rainer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen