Samstag, 8. Mai 2010

Nicht mein Wille geschehe . . .

Heute, am 7.5.2010, beginnt unser 1. Projektwochenende im Knast. Zum ersten Mal werden wir von Freitag bis Sonntag mit den Häftlingen in der JVA arbeiten.

Wir sind immer wieder aufs Neue überrascht, dass uns die Leitung der Sozialtherapeutischen Abteilung so gut unterstützt!!

Und das ganze Filmteam mit Regisseurin, Kamera- und Tonmann ist auch dabei. In ein paar Wochen soll es einen ersten Trailer geben - juhuu.


Freitag, 7.5.2010

In die Körpertrance baut Thilo auch den sog. Schmelzatem ein.
Dabei atmest du in der Vorstellung zu einer Verspannung im Körper, löst die Anspannung mit dem Atem auf und atmest das so Aufgelöste aus.
D. h., du entspannst 2 x. Einmal beim Einatmen und dann beim Ausatmen.

Dann sollten die Teilnehmer aufstehen, einen guten Platz für sich finden und den Körperbewegungen nachgeben. Dadurch, dass der Körper losgelassen wird kann sich viel Anspannung auflösen und können Gefühle und Erfahrungen besser auftauchen.

Und siehe da. Unser Teilnehmer, der bisher 'hartnäckig' daran festgehalten hatte, immer seine Sandalen anzubehalten, hatte diese plötzlich ausgezogen. Auch das kann helfen über die Fußsohlen besser im Kontakt zum Untergrund zu sein und die Körperschwingungen noch besser wahrzunehmen.

Anschliessend haben wir nochmals über die authentischen Gefühle gesprochen. Hier unterscheidet sich unsere Arbeit zu Ansätzen in der Therapie, da bei uns jedes Gefühl, Alles, auftauchen darf und soll. Wir lassen den Gefühlen freien Lauf, ohne sie auszuagieren. Bei der Therapie geht es manchmal darum die Gefühle im Griff zu behalten.

Bei der Reflektion über den Satz/die Haltung
"Es durfte so sein wie es war" berichtete ein Teilnehmer:
"Wenn ich in die Vergangenheit zurück gehe, an das Opfer denke oder einen schlechten Film sehe, wie z. B. "Vermisst", dann weine ich auch Tränen. Dann kommt die Angst, ich halte das nicht aus"

Dazu von uns: "Aber das sind nur Gedanken. Es gibt keine Erfahrung das nicht auszuhalten. Zu explodieren. Dann wärst du jetzt nicht mehr hier."


2-er Übung:
"Wer bist du, wenn du keine Geschichte hast?"
Wechselseitig ist einer der spirituelle Freund, der keine eigenen Ideen oder Erwartungen hat, wie der Andere sein soll oder welche Antworten er gibt. Durch diese Haltung, mit der du nichts als reine Liebe bist, kannst du den Anderen am besten begleiten.


Nach der Pause ermutigte Thilo jeden Teilnehmer eine Frage zu stellen. Dabei stellte ein anderer Teilnehmer heraus, dass er auf keinen Fall angefasst werden möchte. Dass das eine absolute Grenze für ihn ist. "Ich mag kein kuscheln hier".

Ob unsere Erklärungen und Ausführungen zu der Körperarbeit und dem geschützten Raum hier angekommen waren musste der morgige Tag zeigen.

Mit der Programmbeschreibung für den morgigen Samstag ging der 1. Tag zu Ende.



Samstag, 08.05.2010

Obwohl ich rechtzeitig aufgestanden war [06.30 Uhr] habe ich mich mit der S-Bahn Richtung Grünau verfahren. Thilo war ganz schön 'genervt' bis er mich wieder gefunden hatte . . .

Leider war der Teilnehmer, der gestern über seine Grenzen körperlichen Kontaktes und das 'Kuscheln' gesprochen hatte heute nicht mehr dabei. Schade.

Zum ersten Mal wurde unter Anleitung von Thilo Yoga gemacht. Eine ganze Stunde lang. Dazu mussten wir zunächst verdeutlichen, dass es sich hierbei nicht um Sport handelt sondern um Übungen, die die Haltung des Hineinschmelzens fördern.


So gelockert und im Fluss sollte die 2-er Übung:
"Was willst du wirklich?" gemacht werden.

Bei dem anschliessenden Austausch über die einzelnen Erfahrungen oder Fragen habe ich leider den Spruch von Mahatma Gandhi, den ein Teilnehmer zitierte, vergessen.
Allerdings fällt mir dazu ein weiterer seiner Sprüche ein;
Ohne Wahrheit kann es keine Erkenntnis geben

Und dann gab es zum Mittag erstmals für uns 'Knastessen'
Nudelsuppe mit [ein wenig] Hühnerfleisch. Entschädigt wurden wir aber durch den super lecker Kuchen vom Zellengenossen eines Teilnehmers [im früheren 'Leben' Konditor].

Und dann kam`s knüppeldick. Thilo liess die "Golden Cross Meditation"
Du kannst für diesen letzten Wunsch, den Wunsch die Innere Freiheit zufinden, stehen.
Und ich habe auch mitgemacht. Unbeschreiblich. Du stehst eine Stunde mit ausgebreiteten Armen [fast wie am Kreuz] und lässt alles auftauchen. Dazu stehst du einem Anderen mit Augenkontakt gegenüber. Was ich für Gedanken, Schmerzen und Wahrnehmungen hatte kann ich kaum beschreiben. Umso berauschender ist das Gefühl, wenn es vorbei ist, wenn man es geschafft hat.

Nach einer kurzen Pause habe ich dann eine Trance angeleitet: "Gehe in der Erinnerungen in dein schönstes Erlebnis. Mit allen Sinnen - - - was braucht es um das Erlebnis noch schöner werden zu lassen?"

Mit einer abschliessenden Erfahrungsrunde ging´s dann in den Feierabend und zurück nach Berlin.


Sonntag, 0905.2010

Wie bereits gestern, am Samstag, hiess das zunächst wieder um 06.30 Uhr aufstehen. Thilo abholen - diesmal fuhr ich - und weiter die 1 1/2 Stunden nach Brandenburg fahren, damit es pünktlich um 09.00 Uhr losgehen kann.

Das leicht modifizierte Yoga durch Thilo war wieder richtig Klasse.


Natürlich haben wir über die 'Golden Cross Meditation' berichtet.

Aber dann mit einiger Stille im sitzen habe ich das 'Verbundene Atmen' vorgestellt, das wir anschliessend für mindestens 1 Stunde machen würden.

Dabei atmet Derjenige, der begleitet wird so, dass er in der Vorstellung wie auf einem Zifferblatt einer Uhr zwischen 7 und 5 Uhr aus- und einatmet. Also einatmen bis 5/17 Uhr und mit Schwung bis 7/19 Uhr ausatmen. Der Schwung vielleicht so wie auf einer Schaukel. Und dann kann das Ausatmen zunehmen und auf dem 'Ziffernblatt' kann es immer höher gehen, bis Aus- und Einatmen unmittelbar ineinander übergehen. Das Verbundene Atmen. Und alles darf auftauchen.

Nach dem Ausklingen der Übung, ganz besonders mit einem Nachspüren und dem Austausch darüber, gab es nochmal Mittag [pan. Schnitzel mit Kartoffeln, Bohnen mit Speck und Sosse] und dann musste ich mich wegen eines privaten Termines auf den Heimweg machen.

Auf jeden Fall schwingt und wirkt das ganze Wochenende auch in mir stark nach.


Rainer

P. S.: man kann das Projekt auch ohne Geld unterstützen. Wir suchen Jemanden, der die Tonaufnahmen, die wir parallel zum Film machen, transkribiert.
Wär das was für dich?

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