Mittwoch, 19.05.2010
"Atme mit einem Ton 2 - 3 mal aus und spüre deinen Körper - spüre wie sich Anspannung lösen kann. Und dabei kannst du einmal diesen Raum zwischen zwei Gedanken aufsuchen und erforschen. Am Ende eines Gedanken, bevor der Neue beginnt. Dort, wo es weder Zeit noch Raum gibt. Hier und jetzt. In diesem gegenwärtigen Augenblick."
So war ein Teil der Eingangsmeditation.
Beim anschliessenden Austausch über die gemachten Erfahrungen wurde deutlich, wie unkontrollierbar und wie schnell die Gedanken sind. Tatsächlich ist Millimeter für Millimeter zu erforschen um zu erkennen, dass du anhalten kannst. Den Impulsen aus Gedanken, inneren Bildern, Empfindungen und Gefühlen nicht zwanghaft zu folgen brauchst.
Für Thilo und mich ist es wunderschön zu erfahren, wie die Teilnehmer sich immer weiter öffnen. Immer mehr vertrauen.
Die Berichte von Nine, die ab und an von unserer Seite aus mit dabei ist, beschäftigen die Häftlinge sehr.
Das jemand trotz dieses Schicksales so liebevoll ausstrahlt und ein weiches Lächeln trägt. So ein Lächeln würden sie auch gerne haben.
Für uns wäre es das schönste Geschenk, wenn die Häftlinge hier in der vermeintlichen 'Unfreiheit' die innere Freiheit finden. Die Freiheit, die gänzlich unberührt ist von äusseren Umständen. Und wenn sie dann nach Beendigung ihrer Haftzeit wieder draussen sind, in dieser vermeintlichen 'Freiheit' und feststellen könnten, dass es keinen Unterschied gibt.
Das aus unserer Sicht die Bedingungen einer Haft sehr hilfreich sein können, sich mehr und mehr der inneren Freiheit zuzuwenden, dass wollten die Häftlinge erst nicht so wirklich annehmen.
Aber im Knast wird die äussere Unfreiheit Tag für Tag deutlicher erfahren, als dies vielleicht draussen möglich ist. Wo Lärm und Ablenkungen allgegenwärtig sind. Und im Knast wird man mehr auf sich selbst zurückgeworfen. Ist mit sich und seinen Geschichten alleine und kann tatsächlich nicht weglaufen.
Draussen, da wird die Ehefrau oder der Ehemann gewechselt oder die Stadt oder der Job oder das Auto oder was auch immer.
Hier im Knast geht das nicht!
Und so kann man das tatsächlich als ein Geschenk verstehen, die Zeit zu nutzen und aufzuwachen.
Bis nächsten Mittwoch
Rainer
Samstag, 22. Mai 2010
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