Keine Einleitung, keine Körperbewusstheitsübung. Einer der Männer kam heute gleich zu dem was ihn in den letzten Tagen beschäftigt hatte.
Viele Männer hier machen sich über das lustig was wir hier machen. Sogar die Sozialarbeiter.
Einige Männer kommen auch nicht mehr in die Gruppe weil es anstrengend für sie ist. Dabei ist es nur anstrengend die Gefühle zurückzuhalten, anstrengend sich zu verstecken, anstrengend eine Rolle zu spielen.
Es ist genau wie du es gerade gesagt hast meint M. und berichtet über seinen Zusammenbruch vom Dienstag.
Ich habe versucht meine Rolle zu spielen und es ging nicht mehr. Ich bin zusammengeklappt wie ein Klappmesser war völlig fertig. Ich konnte mich nur noch meinem Schmerz und dem Weinen hingeben.
So forderte ich M. auf den Satz - Ich kann nicht mehr- in sich wirken zu lassen. Und plötzlich stimmten die anderen Teilnehmer gleich mit ein in dieses - Ich kann nicht mehr- Wie ein Chor der verzweifelten Seelen.
Angespannte Männer die sich nicht trauen ihren Gefühlen Raum zu geben obwohl diese da sind.
Das macht zusätzlichen Schmerz. M. ist so angespannt das er sich dem Gefühl nicht hingeben kann. So begannen wir gleich mit Körperarbeit um die große Anspannung im Körper etwas zu lösen. Und gingen zum Tönen über um auch mit einem Ton in die Anspannung oder das Gefühl hinein zu schmelzen um dann wirklich in das Fühlen zu kommen. Was den Männern wirklich hilft große Anspannung loszulassen. So konnte er dann seine Angst und den Schmerz fühlen.
Dann zeigt B uns seine Ramana-Karte die er vor ein paar Tagen gezogen hat:
"Jede Empfindung die ich voll und ganz zulasse versetzt mir einen Stoß ins Sein."
Und meint dazu:
„Ich bin fast vom Glauben abgefallen als ich das gelesen hab, es passt gerade ganz genau zu meiner Situation in der ich mich befinde." Die Männer sind dankbar für diese Stunden und unsere Arbeit. Sie können sich mehr und mehr ihren Gefühlen hingeben auch wenn manche Situation ausweglos erscheint. Und so schließen wir unser heutiges Treffen mit einer Trance ab in der es keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt. So kann der Lärm der Gedanken abklingen und sich die Stille ausbreiten.
Thilo
Freitag, 18. Juni 2010
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