Heute, am 29.09.2010, waren fast alle am Modellprojekt teilnehmenden Häftlinge anwesend, sodass wir mit fünf Männern arbeiten konnten.
Die von Thilo angeleitete Einstiegstrance war in Form der Bewusstheitsübung angelegt und sollte von den Gedanken weg immer tiefer in die Gefühle und Erfahrungen führen.
Den anschliessenden Erfahrungsaustausch haben wir dann noch mit folgender Frage präzisiert: "Was genau hilft dir von den praktizierten Methoden und Instrumenten bzw. wo hast du noch Probleme?"
Schliesslich wollen wir im Rahmen des Modellprojektes keinen philosophischen Diskurs abhalten sondern mit erprobten praktischen Hilfsmitteln der Erfahrung der inneren Freiheit näher kommen.
Nacheinander berichteten die Teilnehmer [A - E]:
A) "Mir hilft die Arbeit hier, meine gedanklichen und gefühlsmässigen Impulse zu kontrollieren. Wobei das Kontrollieren bedeutet, nichts mit den Gedanken zu machen und bei den Gefühlen, sie innerlich 'toben' lassen, bis sie sich von alleine auflösen. D. h., 'verbrennen'"
Anmerkung von uns; da bei den Schilderungen auch der Hinweis fiel " . . . es soll mir gut gehen" haben wir empfohlen, genau darauf zu achten, dass nicht etwa unangenehme Gedanken oder Gefühle weggemacht werden!
B) "Ich bin mir viel besser meiner authentischen Gefühle bewusst. Speziell denen, die durch die Erinnerung an die Tat ausgelöst werden."
C) "Das Loslassen bringt mich immer tiefer. Dadurch erreiche ich die weiteren Gefühle unter den oberflächlichen Gefühlen. Bei allem bin ich aber auch misstrauisch, was vielleicht auch Angst sein könnte. Schlussendlich taucht für mich dann etwas auf wie ein schwarzes Loch, in das alles hineinfällt.
Anmerkung von Thilo: "Dann bleib da drin. Das Ego muss nicht wieder aus dem schwarzen Loch auftauchen.
D)"Meine Körperwahrnehmung hat sich sehr verbessert. Ich bin ruhiger und gelassener geworden. Die Hausaufgabe habe ich leider nicht gemacht, da ich sehr schreibfaul bin bzw. bin ich sehr ausgelastet, da man mir hier die Möglichkeit gibt, die Schule nachzuholen.
Anmerkung von Thilo: "Dann hiermit eine neue Hausaufgabe, wo nur ganz ganz wenig zu schreiben ist. Finde einen Satz auf die Frage - Was ist meine allertiefste Sehnsucht?"
E) "Ich habe tatsächlich mit dem Rauchen aufgehört. Es macht mir auch nichts aus, mit Rauchern zusammen zu sein. Im Moment kaue ich zwar mehr Kaugummi aber das sind die Kostenersparnis und die Gesundheit wert. Das gesparte Geld kann ich z. B. meinem Enkel zukommen lassen. Und ich fühle die Freiheit, die mit dem Nichtrauchen verbunden ist."
Frage dazu: "Was soll dir die Gesundheit geben? Antwort "XYZ" und was soll das dir geben, und was das, usw. Am Ende kamen dann die Worte "Leben, Freude"
Danach haben wir folgende 2-er - Übung angeleitet, wobei wechselseitig einer den anderen als 'Spiritueller Freund' begleitet:
Der Begleiter stellt die Frage: "Mit wem oder was bist du nicht einverstanden?" Dann kommt die Antwort "XYZ" Diese Antwort wiederholt der Begleiter wortgetreu und fragt anschliessend: "Und wie reagierst du darauf?" Dann kommt wieder eine Antwort, wofür sich der Begleiter bedankt und wieder die Ausgangsfrage stellt: "Mit wem oder . . ."
Nach dem abschliessenden Erfahrungsaustausch und der Vorfreude auf das 2. Wochenende vom 15. - 17. Oktober 2010, haben wir uns für heute wieder verabschiedet.
Rainer
Donnerstag, 30. September 2010
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